Florida – oder mit Flipper zum Mond…

Als meine Männer (Sohn und Gatte) mich damit überraschten, dass wir nach Florida fliegen würden, war ich, gelinde gesagt, “not very amused”. Wenn schon Amerika, dann zu den wilden Schluchten der Rockies oder zum Patchworken zu den Amish, auch Joggen am Strand von Malibu… Aber Florida?? Ich im kokaingeschwängerten Rentnerparadies? Ich bei Miami Vice?? Autsch!

Aber die Welt ist gross und bunt – Vorurteile über Bord geworfen und auf das Positive konzentrieren. Wenn da nicht auch noch das Hindernis meines ersten Langstreckenfluges gewesen wäre – diese Überwindung für Flo… okay, das war Jammern auf höchstem Niveau – also Schluss damit.

Ankunft im sunshine-state, versüsst durch die Abgabe sämtlicher Fingerabdrücke, eingefordert von einem sehr muskulösen und überzeugend bewaffneten Herrn – also damals, mit 18 bei der Klassenfahrt nach Ostberlin, da hätten wir protestiert, uns geweigert. Aber hier geht es ja um das “land of the free”… die wollen ja nur Gutes…

Und dann wurde ich eingefangen von Höflichkeit, Freundlichkeit, guter Laune, Hilfsbereitschaft, Service – alles Fremdworte in good old Germany, wo ein “Hallo” oft schon als Kampfansage interpretiert wird, beim Bäcker um die Brötchen gekämpft wird wie einst von Reinhard Met in der “Heissen Schlacht am kalten Buffet” besungen und der Kunde oft genug als Bittsteller gesehen und behandelt wird. War ich in einer Art Paradies des “Can I help you” und “You’re welcome” gelandet???

Konnte es wahr sein, dass man die Tür aufhielt, um Menschen erst herauszulassen bevor man selbst eintrat? Wollte man dem gehbehinderten Gatten helfen, statt sein Handicap zum eigenen Vorteil, worin auch immer der bestehen möge, auszunutzen? Ich begann mich wohlzufühlen.

Natürlich mussten wir zum Herzen des American Dream – zum Kennedy Space Center. Schon als Kind hatte ich vor dem Fernseher geklebt und den Countdown mitgezählt, dann nachts zum Mond geschaut und mir vorgestellt, ich würde darauf herumlaufen wie Neil Armstrong. Keine Grenzen oder  wie der 007-Titel – “Die Welt ist nicht genug”…Später dann die Zweifel – waren die Mondlandungen nur ein riesiges Hollywood-Spektakel gewesen?

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Jetzt krabbelten wir in Raumkapseln, sahen beeindruckende Filme und über allem schwebte der Satz “Failure is not an option” – Versagen, Aufgeben ist keine Möglichkeit.

Jetzt traf es mich ins Mark – da war so viel von mir, hier in Amerika, in Florida. Nie gebe ich auf, niemanden gebe ich auf – voller Inbrunst, voller Leidenschaft, jedoch nie verbissen. Vielleicht liegt ja der Unterschied darin, dass ich niemanden zu seinem Glück zwingen will.

Denn etwas “übergriffig” wird man hier schnell in seiner Hilfsbereitschaft. Da hilft dann auch keine Beteuerung, dass alles ok sei, man keine Hilfe benötige. Will jemand helfen, so will er das – Punkt. Dann muß man sich helfen lassen , ob man will oder nicht. Und das Bedanken nicht vergessen…

Wir fahren weiter – die Rennstrecke von Daytona. Warum werden keine Kurven gefahren. Finde ich viel spannender…

Ich merke, wie ich beginne, etwas zu suchen, was ich zunächst nicht benennen kann. Doch dann wird es deutlich – ich suche etwas Unordnung, etwas Unorganisiertes, etwas völlig unberührte Natur, vielleicht etwas Freiheit im Land der Freien und Mutigen.

Da ist der Moment in den Everglades im Airboat, nass von den Kurven, etwas Fahrwind im Gesicht, die Alligatoren vor Augen – ein winziges Stückchen wohlorganisierte Freiheit, gespickt mit Warnhinweisen.

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Und ich merke, ich will alles – Freiheit, Mut, Wildheit der Natur, das friedliche und freundliche Miteinander der Menschen. Und ich weiß, dass ich das auch ohne Warnhinweise will, weil ich mir sehr bewusst bin, dass es hundertprozentige Sicherheit nicht gibt und nicht geben kann. Aber Freiheit und Mut…

 

 

 

Dann kommt mir ein Spruch von Erik Lindgren in den Sinn, den ich in meiner Jugend gefunden habe: “Weil unser einziges Nest unsere Flügel sind.”

 

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Also gebe ich dem Delphin im Dolphin Research Center einen Kuss und breite meine Flügel aus, ganz weit für neue Abenteuer – wer weiß, vielleicht ja auch wieder in Amerika oder bis zum Mond und zurück…

 

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2 Gedanken zu „Florida – oder mit Flipper zum Mond…

  1. Hallo liebe Sophie,
    toll geschrieben, excelente, interesante. Deine warte lösten in mir den Wunsch, mich auf den Weg dorthin zu machen, die Wärme, die Freundlichkeit, und, und…
    Abrazos, muchos recuerdos y bis bald

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