Archiv der Kategorie: Allerlei

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Und immer wieder London

 

Das Flugzeug setzt auf der Landebahn auf, kurz vorher habe ich aus dem Fenster schon erste Blicke auf diese Stadt erhaschen können. Mich befällt eine Unruhe. Mein Sohn und ich schauen uns an – endlich raus aus der Maschine und den Flughafen hinter uns lassen und endlich, endlich eintauchen dürfen in “unsere” Stadt.

Sie ist so grausam voll, ob mit Uber oder mit der U-Bahn – es ist einfach nur ein zähes Vorankommen. Ich frage mich, warum gerade ich, die die Weiten einsamer Strände und des schottischen Hochlandes liebt, sich bereits mir 14 in diese Riesenstadt verliebt hat und sich immer wieder neu verliebt.

In diese unfassbar teure Stadt. Selbst mit einem überdurchschnittlichen Einkommen ist ein Leben dort unbezahlbar. Und doch wollen alle dort hin.

In diese Stadt der fassbaren Geschichte, in der noch königliche Hochzeiten mit Kutschen und allem, was an pomp and glory dazu gehört, gefeiert werden.

In diese Stadt der Gegensätze, in der man die teuersten handgefertigten Schuhe seines Lebens kaufen kann und gleichzeitig einen Schuhputzkurs erhält, damit diese auch ein ganzes Leben, oder zumindest fast ein ganzes Leben halten – und sind sie kaputt, werden sie repariert. Das kann man hier gut. Dinge pflegen, erhalten – eben nicht Wegwerfgesellschaft. Das ist ‘man’ nur bei den Einweg-Kaffeebechern und den überall präsenten Zeitungen, die trotz der sich in allen Händen befindlichen Handys auch noch tatsächlich gelesen werden.

In diese Stadt, der Exzentriker, der roten Doppeldeckerbusse, der Seifenmacher, der Herrenschneider, der Antiquariate, der Musicals, der Scones-Esser und Tee-Trinker.

Und wenn ich wieder fort muss aus London, wenn es mir dort zu voll wird, zu laut, die Sehnsucht nach Ruhe immer stärker wird, ich wieder im Flugzeug sitze, es abhebt und ich einen letzten Blick auf “meine” Stadt werfe, dann verspreche ich ganz nach “Terminator”-Manier:

“I’LL   BE   BACK”

 

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Black Jack oder Never Give Up

 

Diese Augen – für sie würde ich fast alles tun und habe das auch.

Dieses Auge gehört meinem Pony Black Jack, das Pony, das mich so vieles lehrt über das Leben, die Liebe, die Wahrung der eignen Persönlichkeit, die Unbeugsamkeit und noch viel viel mehr.

Vor ungefähr 8 Jahren begann er zu husten. Zunächst dachten wir an eine akute Bronchitis, aber bald stellt sich heraus, dass es sich um eine COPD handelt, eine langsam oder schnell fortschreitende chronische Lungenerkrankung. Sie ging einher mit einer nachgewiesenen Allergie gegen Staub, Schimmelpilze und noch so einigem – eigentlich allem, was man in einem normalen Pferdestall so findet. Die Einstreu der Wahl sind dann Holzspäne statt Stroh, etwas was das Pony sehr traurig machte, denn Stroh kann man über Nacht, wenn das Heu schon längst im Bauch ist, knabbern, Späne nicht.

Vor 6 Jahren dann, am 24.März 2012, am Tag meiner Hochzeit mit Jürgen, kam es bei Black Jack zum wiederholten Male zu einem Status asthmaticus – mit einfachen Worten erklärt, ist das ein Asthmaanfall, der über Stunden anhält. Das Pony hatte also über Stunden massive Luftnot. Es stand auf einem staubigen Paddock, gleichzeitig flogen Pollen, gegen die er allergisch war. Leider nahm der Stallbesitzer das nicht zur Kenntnis. Ein Glück, dass meine Tochter, Lena Reichmann, vorbeikam und sofort richtig handelte und notfallmäßig den Tierarzt rief.

Es gab die 1. Hilfe – Kortison, die Diagnose wurde bestätigt: COPD, die Prognose lautete: “Geniessen Sie die anfallsfreien Zeiten,  solange es noch geht – höchstens noch 2 Jahre, dann müssen Sie ihn erlösen.”

Ein Hochzeitsgeschenk der besonderen Art.

Ich ging ganz tief in mich. Was braucht mein Pony – Himmel, er ist doch erst 11…

Sehr schweren Herzens entschloss ich mich, Black Jack zu einer Luftkur an die Nordsee zu bringen. Er konnte dort bei einer naturheilkundlich arbeitenden Tierärztin 24 Stunden täglich die Nordseeluft geniessen. Zwar weinte ich fast die gesamte Rückfahrt und wenn der Wetterbericht Sturm, Gewitter oder sonstige meteorologische Unbill an der Nordsee meldete, wurde ich vor Sorgen fast verrückt, aber ich hielt durch. Und es lohnte sich. Mein Pony kam hustenfrei zurück nach Oberhausen.

Aber zurück im Stall zu Staub und Schimmel hielt die Freude nicht lange an. Dazu kamen die ständigen Kämpfe um die Weidezeiten. Ganz gleich an welchen Stall ich wechselte – dass ein Pony mit einer Lungenerkrankung frische Luft braucht, das ging über das Begriffsvermögen. Für Black Jack kam es auch fast einer Katastrophe gleich, als ein findiger Boxenvermieter in der leeren Box neben der seinen das Heu- und Strohlager einrichtete. Und selbstverständlich wurde er vor der abendlichen Heufütterung in seine Box gestellt – wenn dann noch die Stallgasse gefegt wurde und man vor lauter Staub die Hand vor den Augen nicht mehr sehen konnte, bekam das Pony Erstickungsanfälle – aber auch das berührte die Verantwortlichen nicht. Keine Ausnahmen von der Regel. Ich könne doch froh sein, dass das Pony überhaupt vor die Tür käme und müsse mehr mit ihm inhalieren. Ich empfahl den Wechsel von der Boxenvermietung für Pferde zu Kartoffelanbau – die haben einen deutlich geringen Bewegungsdrang als Pferde – aber das kam nicht wirklich gut an.

Ein Riesengeschäft das Inhalieren – immer mehr Pferde werden lungenauffällig, entwickeln Allergien. Der Anblick von Pferden in Stallgassen mit umgehängtem Inhalator ist zur Normalität geworden. Beim Putzen und satteln darf, muss, soll das Pferd inhalieren, dann muss es tüchtig bewegt werden, selbst wenn es sich die Lunge aus dem Hals hustet und unter dem Reiter fast zusammenbricht, damit Sekrete sich lösen können. Warum dazu allerdings ein Mensch auf dem Rücken des Tieres sitzen muss, der ihm die Atmung noch zusätzlich durch sein Gewicht und seinen Reitstil einschränkt, ist mir nicht erklärlich. Ich konnte es nicht über mich bringen, mein verzweifelt um Luft ringendes, hustendes Pony zu reiten – ich joggte mit ihm im Wald…

Und suchte nach Alternativen. Es konnte nicht sein, dass meine Tochter und ich täglich mehrfach zum Stall mussten, um dafür zu sorgen, dass das Pony so etwas einfaches wie an die Luft kam. Pferde, diese wunderbaren Steppentiere, die die Weite brauchen und den sozialen Kontakt mit ihrer Herde, werden in Boxen gesperrt – und wir regen uns über Käfighaltung bei Hühnern auf? Der geneigte Pferdehalter stelle sich doch bitte einmal vor, er dürfe zwischen 16 und 23 Stunden in einem Dixyklo verbringen – welch erquickender Gedanke.

      Wir gaben nicht auf und suchten –

wochenlang, monatelang. Ich war verzweifelt, denn es ging Black Jack trotz all unserer Anstrengungen immer schlechter. Und dann fanden wir sein neues Zuhause, seine Herde, seine Steppe …

Zwei Jahre ist das nun sein Zuhause. Einen Monat mussten wir noch inhalieren. Bei einem sehr starken Pollenflug reagiert er noch ein einziges Mal mit einem leichten Asthmaanfall. Die letzten Untersuchungen ergaben nur noch einen sehr leichten Lungenbefund, der keinerlei Grund zu Besorgnis oder gar Lebensverkürzung ergab. Black Jack darf, wenn er will, 24 Stunden täglich auf seiner Steppe sein, er kann aber auch jederzeit in seinen Stall, er ist der Chef seines Lebens. Er ist immer mit seiner Herde zusammen und vollkommen ausgeglichen.

Und obwohl er doch seine Herde hat und sich dort so wohl fühlt, reicht ein leises Rufen seines Namens und er kommt zu mir, legt sein weiches Maul in meine Hand und geht mit mir wohin immer ich will – dieses Gefühl ist unbeschreiblich.

Mein aufrichtiger und tief empfundener Dank gilt zuerst meinem geliebten Jürgen, der das alles mit mir durchstand und das Happy-End trotz seines viel zu frühen Todes erleben durfte. Er gilt meiner Tochter Lena Reichmann, die wie eine Löwin für Black Jack kämpfte, wenn ich verhindert war. Er gilt meinem Sohn Jan Reichmann, der  immer helfend einsprang und unterstützt, wo er nur konnte.

Mein besonderer Dank gilt Andrea und Degi Terstegen – ihnen gehört Jacks Paradies und sie kümmern sich unermüdlich um die Tiere und dort sind nicht nur Ponies glücklich…

 

Mir ist unerklärlich, warum Menschen die Erlaubnis zur Pferdeboxenvermietung erteilt wird, die nicht über genügend Weidefläche verfügen, um den Tieren ganzjährig vernünftige Weiden zur Verfügung zu stellen. Es ist für mich absolut unverständlich, dass weder Gesetzgeber noch Tierschützer bei der gängigen Winterregel tätig werden, Pferde, ohne Heu und Wasser auf matschige Paddocks zu stellen, oft noch in winzige Parzellen aufgeteilt, so dass die Tiere sich noch nicht einmal bewegen können, wenn sie dazu Lust verspüren oder ihnen gar kalt ist. Ach ja, dafür tragen die rasierten Kreaturen ja stylische Decken…

“HÖRT ENDLICH MIT DER KÄFIGHALTUNG VON PFERDEN AUF und gebt uns wunderbaren Geschöpfen, die alles für Euch tun, über die höchsten Hindernisse springen, die wundervollsten Kapriolen machen und Euch auf ihren Rücken durch die Welt tragen so etwas einfaches wie Luft, Gras, Wasser und Artgenossen.” (Dieses Plädoyer habe ich jetzt Black Jack ins Maul gelegt.)

www.degisfarm.de

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“Es ist nie zu spät, das zu werden, was man hätte sein können” (George Eliot)

So viele Menschen wünschen sich, noch einmal 20 oder 30 Jahre alt zu sein, um dann mit den Erfahrungen, die sie gemacht haben, noch einmal neu zu starten und alles besser zu machen. Wie oft höre ich das in letzter Zeit… Muss an meinem Alter liegen…

Ich bin jetzt 54 Jahre, ich weiss, dass ich in diesem Leben nicht noch einmal  20 oder 30 Jahre alt sein werde. Und ja, ich habe meine Erfahrungen – mein gesamtes bisheriges Leben ist ein riesengrosser Schatz. Leben, lieben, leiden, lachen, lernen – jeden Tag, jede Sekunde, gerade auch jetzt in diesem Moment. Und das darf ich auch weiterhin für immer, wo auch immer.

Also warum zurückgehen, wenn unendliche Zukunft vor mir liegt, eine Zukunft zu leben, zu lieben, zu leiden, zu lachen, zu lernen, zu sein…

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Gedanken zu Weihnachten 2016

Ein Gedanke lässt mich an diesem Weihnachtsfest nicht los…

Es werden Geschenke gekauft, die Stimmung muss stimmen, auch wenn es bei den klimaerwärmten Temperaturen schwer fällt – aber, hohoho – wurde Jesus am Nordpol oder in Bethlehem geboren??? Maria und Josef suchen ein Obdach – die Kirchen quillen über – Stille Nacht, heilige Nacht – das Mittelmeer verkommt zum Massengrab.

Es ist Krieg, Menschen sind auf der Flucht – wir feiern Weihnachten und suchen nach Möglichkeiten, die Kriegsflüchtlinge zurück in den Krieg zu schicken. Hauptsache unter dem Tannenbaum türmen sich die Geschenke… “Frieden auf Erden…”, “Was ihr dem Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan…”, “wer ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein”… Weiß noch jemand, wer das gesagt hat???

Der, zu dessen Geburtstag Ihr Euch mit Geschenken überhäuft… Er wäre entsetzt!!!!

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Die Natur – Opfer oder Lehrer?

Das Ziel des Seminars “Die vier Elemente” in Heiligenblut am Großglockner war die Verknüpfung der Selbst- und Naturerfahrung. Uns selbst anders sehen als zu Hause in all unseren Funktionen. Nur Mensch unter Menschen, offen für das, was uns begegnet…

Schlagzeilen auf Schildern des Natura-Mystica- Weges, wie “Empfinde jede Pflanze als Wort einer schönen, fremden Sprache” oder ” Die Kraft von Vielen lässt Wunder im Verborgenen wachsen” werden mit Leben gefüllt.

Alte Weisheiten der Hollaleitisch, der Wesen, die früher den Menschen zur Seite gestanden haben und sich zurückzogen, weil wir Menschen, die Achtung vor der Natur verloren haben. Ein wenig wie die Heinzelmännchen zu Köln…

Alte Weisheiten, die etwas in uns zum Klingen bringen – eine Sehnsucht nach Verbindung, nach Ruhe, nach Schönheit, nach Halt, nach Verwurzlung…

Alte Weisheiten, die so oft verdrängt werden, denn für sie glauben wir keine Verwendung zu haben, in unseren auf Leistung, Arbeit, Konsum und Hast konzentrierten Leben…

Immer wieder machten sich die Teilnehmer darauf aufmerksam, dass wir hier und jetzt, bei diesem Seminar und in Heiligenblut doch Zeit hätten, uns Zeit lassen könnten, hier und jetzt in der Ruhe die Kraft läge. Wir lernten – dort liegt sie immer, auch zu Hause, auch im Alltag…

Nach nur ein paar Metern hinter der letzten Straße beginnt der “Sprachkurs” der Pflanzen, demonstriert uns die Großartigkeit der Berge unsere eigentliche “Größe”, zeigt die Kraft der Elemente uns unsere Grenzen auf, nimmt die Natur uns großzügig und selbstverständlich in Liebe auf.

Das macht mich glücklich! Nach allem, was Menschen der Natur angetan haben und noch immer antun, ist die da – in aller Stärke, Schönheit und Vielfalt im Winzigkleinen und Riesiggrossen.

Warum sollte ich also versuchen, mir die Erde untertan zu machen oder die Elemente zu besiegen? Ich bin lieber dankbar dafür, Teil der Schöpfung, Teil der Natur zu sein und die Elemente in mir in aller Intensität zu spüren!

Sophie

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