Archiv der Kategorie: Jürgens Welt

…”daß diese Furcht zu irren schon der Irrtum selbst ist”… (Hegel)

In der schwülen Stuttgarter Nacht leuchten diese Worte in mein Hotelzimmer. Ich bin hier, um mich um Jürgens schwäbische Angelegenheiten zu kümmern. Ein schwerer Gang, ein Gang zurück in den Anfang unserer Liebe als wir noch überlegten, wo wir das Basislager unserer gemeinsamen Zukunft aufschlagen sollten – in Baden-Württemberg, dem Kehrwochen-Country, oder im Ruhrgebiet, wo der Pott kocht… Die Kinder und die Tiere gaben den Ausschlag. Wir entschieden uns für Oberhausen, der Stadt, der ich seit meiner Jugend den Rücken kehren möchte.

Die Worte erinnern mich an Jürgens Sicherheit, Journalist werden zu wollen, an einen Brief, den er seinen Eltern schrieb, nachdem er sich für das Volontariat in Stuttgart entschieden hatte – wenn er diese Chance bekäme, dann wäre es auch der richtige Weg. Ein Jurastudium stünde ihm im Zweifelsfall immer offen.

Ja, und es war der richtige Weg für ihn und er ging ihn klar und unbeirrt. Den Zweiflern zum Trotz ging Jürgen immer nur seinen Weg, liebenswert und konsequent bis zum Schluss geradlinig, unbeugsam, selbstbestimmt, aufrecht und vollkommen ohne Furcht, sich zu irren.

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Der Tanz um Blech und Carbon

Den Einblick in Jürgens bunte Welt will ich beginnen mit einer Reise, die mein Sohn Jan und ich gemeinsam mit Jürgen geplant hatten. Schnell war uns klar, dass wir sie nun für ihn antreten wollten und würden.

Da stehen sie auf Hochglanz poliert im Scheinwerferlicht – die Objekte so vieler Begierden, PS-Stärken, die ich mir kaum noch vorstellen kann, noch, dass irgendein Nicht-Rennfahrer sie zu beherrschen vermag.

Zum Teil Ästhetik pur,

(Pagani)

 

(Aston Martin)

 

 

 

 

 

 

die einen die Frage nach CO2-Emissionen und Preis zumindest kurz vergessen lässt…

Zum Teil gelebte Nostalgie,

(Fiat 500)

 

(Morgan)

 

 

 

 

 

 

das eine bezahlbar und von der Autorin selbst vier Jahre lang voller Freude erprobt, das andere… schön eben.

Schnell bin ich eingefangen von dieser Welt, die so völlig losgelöst von der Realität zu sein scheint. Was ich bislang für einen nicht wirklich guten Witz hielt – hier passiert es: erwachsene Menschen bewaffnen sich mit Staubwedel und Glasreiniger, um jeden Fussel, jeden Fingerabdruck sofort vom PS-Götzen zu entfernen. Zunächst lache ich noch bis ich merke – das ist ganz bitterer Ernst… Hier bin ich im Tempel des Gottes Auto gelandet.

Ja, und spätestens jetzt würden wir beide heiß diskutieren, mein geliebter Jürgen, ob hier nicht Grenzen überschritten werden, die – Schönheit hin, Spass am Fahren her – angesichts von Hungersnöten, Altersarmut und Klimawandel nicht überschritten werden sollten.

Papas setzen ihre kleinen Söhne mit verklärten Blicken in unfassbar teure Autos, die weder Vater noch Sohn sich je werden leisten können, streicheln voller Sehnsucht hier ein Dach, dort einen Kotflügel… Bis dann der Glasreiniger wieder zum Einsatz kommt und die Abdrücke der Hingabe entfernt…

Sehr viel Platz nehmen die Erschaffer des Diesel-Skandals ein, die sich so präsentieren, als habe niemals jemand in diesem Konzern die Idee zu einer Fake-Software gehabt. Dumm, dass mein Gedächtnis nicht so löchrig ist, wie es die Herrschaften gern hätten -muss doch die Software von Jürgens A 3 just ge-updated werden und erhielt er doch keinerlei Entschädigungszahlungen à la USA für denselben Betrug.

Apropos Fake – Elektroantrieb wird hier angepriesen, als habe man dort, wenn nicht das Rad, so doch wenigstens das Auto neu erfunden. Aber hat das nicht jemand namens Elon Musk in den USA gemacht… doch Tesla sucht man vergebens auf Messen. Ihre Erfindung spricht noch konkurrenzlos für sich.

Ja, Jürgen, ich erinnere mich an unsere Diskussionen. Du trautest diesem E-Auto-Braten nicht. Ich bleibe am Ball – versprochen!!!

Und als ich dann ein Glas Champagner schlürfend  – Luxus steckt an – inmitten all dieser Blech- und Carbon-Schönheiten sitze,

da schleicht sich in mir die Frage ins Bewusstsein, warum bei all der Arbeit, die in dieses Fortbewegungsmittel gesetzt wird, bei all dem Ringen um Perfektion, so vergleichsweise wenig in deren Emissionsfreiheit investiert wird. Es kommt die Erinnerung an die Smog-Alarme der 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts hoch und all die Versprechen, nach Alternativen zu suchen. So viele Jahrzehnte sind vergangen, in denen man den guten alten Verbrennungsmotor schon längst hätte einmotten können. Allein diese Frage will mir niemand beantworten. Hier zählen PS-Stärken und Schönheit, sonst wenig.

Wieviel schöner wären doch all diese Paganis, Aston Martins, Mc Larens, Mercedes, BMW und wie sie alle heißen, wären sie auch energiesauber und für mehr Menschen bezahlbar. Da ich Optimistin bin, freue ich mich auf die Zukunft und darauf, dass man auch in der Automobilbranche lernfähig sein könnte…

 

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Jürgens Welt

Eigentlich wollte Jürgen in diesem Jahr beginnen, meinen Blog mit seiner Welt, seiner Sicht auf die Welt zu bereichern.

Nun habe ich die Ehre, mein Versprechen einzulösen, unsere begonnene Arbeit fortzusetzen. Also berichte ich aus Jürgens bunter Welt, ganz im Sinne unseres gemeinsames Lebens – erzähle mir, was Du erlebt hast, sag mir, was Du denkst, teile Dein Leben mit mir…

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