Archiv der Kategorie: Seminare und Reise

“Flieg, Gedanke, getragen von Sehnsucht”…

“Sophie, solltest Du zum Gardasee fahren, musst Du nach Verona und Dir dort in der Arena unbedingt eine Oper anschauen. Das Erlebnis wirst Du nie vergessen.”

Ein lieber Rat, aber ich und müssen… da wächst Widerstand! Trotzdem ließ mich der Gedanke nicht los. Opern höre ich nicht täglich, auch nicht monatlich, eher sporadisch und dann schmettere ich gerne eine Arie mit. Vom Vogelfänger bis zum in den Kampf ziehenden Torero. Ach ja, da war doch was im Oberhausener Theater, als dort nicht nur das Schauspiel, sondern auch noch die Musik zu Hause waren. Als man noch über die Schule Schülerabos bekam, damit die jungen Seelen sich an der Kunst zu erfreuen lernten. “Carmen” stand auf dem Programm. Und genau dort bei der berühmten Aufforderung an den Torero in den Kampf zu ziehen, hielt es meine Füße nicht mehr und ich klopfte vehement den Takt mit. Der Boden unter meinen Füßen war aus Holz und es dauerte eine Weile bis ich begrifF, dass all die bösen Blicke mir und meinen Füßen galten – aber man wollte doch die Begeisterung in den jungen Seelen wecken, aber wohl nicht so laut und nicht in den Füßen…

Als dann die Reisepläne feststanden und sich der Gardasee näherte, dachte ich an das “Du musst” und “unbedingt” und vielleicht würde man ja auf dem Steinboden der Arena di Verona meine Füße nicht hören…

Die Oper “Nabucco” stand auf dem Plan, ” meine” Oper, deren Gefangenenchor schon so oft mein Auto hat erbeben lassen – ja, ich musste und unbedingt.

Brütende Hitze hatte die Stadt aufgeheizt, jeder Platz in jedem Strassenlokal war besetzt von kulturbeflissenen Menschen. Fast wollte mich ein schlechtes Gewissen packen, weil ich den Tag lieber schwimmend verbracht hatte, statt in Gluthitze den berühmten Balkon zu suchen. ” Es war die Nachtigall”… sorry Romeo, sorry Julia, ich komme an einem kühleren Tag.

Da steht die Arena, imposant, sie nimmt gefangen – die Vorfreude macht mich ungeduldig. Sicherheitscheck, Kartenkontrolle, ein Blick auf das Schild, auf dem steht, was der geneigte Kunstliebhaber alles nicht mitbringen darf in die Arena. Dort finde ich tatsächlich eine durchgestrichene Pistole – man scheint Humor zu haben!

Die Bestuhlung ist gräuslich auf den Rängen, der Blick auf die Bühne genial. Ein Prosecco zum Einstimmen und dann geht es los. Vergessen sind die unbequemen Stühle, die nicht vorhandene Beinfreiheit, alles vergessen. Ich werde wie von einem starken Magneten hineingezogen in die Welt auf der Bühne, die Musik legt ihre Fesseln sanft aber bestimmt um mich – ich will, dass es nie mehr aufhört. Dann kommt er, der Gefangenenchor und ich merke, wie mein Gesicht feucht wird – es ist zum Weinen schön…

Später auf dem Weg zum Parkhaus summen sie die soeben gehörten Melodien, starren sie auf ihre Handys, mit denen sie heimlich und verboten dann doch ihre Lieblingsmusik aufgenommen haben. Friedlich, erfüllt von der Schönheit gehen wir vorbei an Soldaten, die uns beschützt haben, damit wir über Schönheit weinen konnten. Die Welt anno 2017…

Und ja, wenn Ihr in die Nähe von Verona kommt, dann müsst Ihr unbedingt in der Arena eine Oper hören, auch, wenn Ihr nicht müssen wollt und Opern nicht mögt!

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Pray for London – Pray for Freedom

Ich wollte über unsere Reise nach London schreiben, all die wunderbaren Eindrücke und Erlebnisse, meine Teilnahme an der “Breath of Life-Conference” über Craniosacral-Therapie  – doch das muss noch etwas warten. Der erneute Angriff auf die Freiheit setzt andere Prioritäten.

Wem auch immer ich davon erzählte, dass wir nach London flögen, wusste etwas zu sagen. Fast alle gaben zu verstehen, dass London besonders sei, toll, voller Superlative, frei, offen, auch für Exzentrik – britisch eben. We are amused, we are not amused, aber alle dürfen sein – let it be…

Und gerade diese Stadt wird nun wieder angegriffen von Menschen, die Freiheit nicht ertragen können. Die das  Lachen nicht ertragen können. Die Demokratien nicht ertragen können..

London ohne Musical – schwierig. Wir entschieden uns für “The Book of Mormon”, bei uns noch ziemlich unbekannt, am Broadway und in London ein Kassenschlager.

Ist es nicht schön, dass wir niemanden erschiessen, inhaftieren, foltern, in die Luft sprengen, verfolgen, der eine christliche Religionsgruppe auf die Schippe nimmt? Ist es nicht schön, aufrichtig und unbefangen lachen zu können über so manche Auswüchse menschlichen Denkens, Handeln und Glaubens?

Wir gingen über die London Bridge, nachdem wir aus 310 Metern Höhe vom Hochhaus “The Shard” London bei Tag und im Lichterspiel der Nacht gesehen, soviel über diese Stadt und ihre Geschichte gelernt hatten. Mit einem Schnellboot waren wir noch zuvor über die Themse gebraust – immer wieder im Spannungsfeld der Moderne und der Geschichte. In London verschmelzen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und es werden die krassesten Gegensätze vor dieser Kulisse extrem deutlich, schon vor Jahrzehnten in “Streets of London” von Ralph Mc Tell besungen.

Ich erinnere mich an unser Lachen auf der London Bridge, unsere Unbeschwertheit und unseren Hunger, der uns dann auch in ein Restaurant trieb. Solche Menschen wurden jetzt ermordet, weil andere Menschen glauben, sie hätten ein Recht über Leben und Tod zu entscheiden. Egal wer, egal wo, egal warum – dieses Recht hat niemand, niemals, nirgendwo!!!

“I have seen much to hate here, much to forgive.

But in a world where England is finished and dead,

I do not wish to live.” (Alice Duer Miller)

Pray for London, pray for the world, pray for freedom, pray for peace!

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Florida – oder mit Flipper zum Mond…

Als meine Männer (Sohn und Gatte) mich damit überraschten, dass wir nach Florida fliegen würden, war ich, gelinde gesagt, “not very amused”. Wenn schon Amerika, dann zu den wilden Schluchten der Rockies oder zum Patchworken zu den Amish, auch Joggen am Strand von Malibu… Aber Florida?? Ich im kokaingeschwängerten Rentnerparadies? Ich bei Miami Vice?? Autsch!

Aber die Welt ist gross und bunt – Vorurteile über Bord geworfen und auf das Positive konzentrieren. Wenn da nicht auch noch das Hindernis meines ersten Langstreckenfluges gewesen wäre – diese Überwindung für Flo… okay, das war Jammern auf höchstem Niveau – also Schluss damit.

Ankunft im sunshine-state, versüsst durch die Abgabe sämtlicher Fingerabdrücke, eingefordert von einem sehr muskulösen und überzeugend bewaffneten Herrn – also damals, mit 18 bei der Klassenfahrt nach Ostberlin, da hätten wir protestiert, uns geweigert. Aber hier geht es ja um das “land of the free”… die wollen ja nur Gutes…

Und dann wurde ich eingefangen von Höflichkeit, Freundlichkeit, guter Laune, Hilfsbereitschaft, Service – alles Fremdworte in good old Germany, wo ein “Hallo” oft schon als Kampfansage interpretiert wird, beim Bäcker um die Brötchen gekämpft wird wie einst von Reinhard Met in der “Heissen Schlacht am kalten Buffet” besungen und der Kunde oft genug als Bittsteller gesehen und behandelt wird. War ich in einer Art Paradies des “Can I help you” und “You’re welcome” gelandet???

Konnte es wahr sein, dass man die Tür aufhielt, um Menschen erst herauszulassen bevor man selbst eintrat? Wollte man dem gehbehinderten Gatten helfen, statt sein Handicap zum eigenen Vorteil, worin auch immer der bestehen möge, auszunutzen? Ich begann mich wohlzufühlen.

Natürlich mussten wir zum Herzen des American Dream – zum Kennedy Space Center. Schon als Kind hatte ich vor dem Fernseher geklebt und den Countdown mitgezählt, dann nachts zum Mond geschaut und mir vorgestellt, ich würde darauf herumlaufen wie Neil Armstrong. Keine Grenzen oder  wie der 007-Titel – “Die Welt ist nicht genug”…Später dann die Zweifel – waren die Mondlandungen nur ein riesiges Hollywood-Spektakel gewesen?

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Jetzt krabbelten wir in Raumkapseln, sahen beeindruckende Filme und über allem schwebte der Satz “Failure is not an option” – Versagen, Aufgeben ist keine Möglichkeit.

Jetzt traf es mich ins Mark – da war so viel von mir, hier in Amerika, in Florida. Nie gebe ich auf, niemanden gebe ich auf – voller Inbrunst, voller Leidenschaft, jedoch nie verbissen. Vielleicht liegt ja der Unterschied darin, dass ich niemanden zu seinem Glück zwingen will.

Denn etwas “übergriffig” wird man hier schnell in seiner Hilfsbereitschaft. Da hilft dann auch keine Beteuerung, dass alles ok sei, man keine Hilfe benötige. Will jemand helfen, so will er das – Punkt. Dann muß man sich helfen lassen , ob man will oder nicht. Und das Bedanken nicht vergessen…

Wir fahren weiter – die Rennstrecke von Daytona. Warum werden keine Kurven gefahren. Finde ich viel spannender…

Ich merke, wie ich beginne, etwas zu suchen, was ich zunächst nicht benennen kann. Doch dann wird es deutlich – ich suche etwas Unordnung, etwas Unorganisiertes, etwas völlig unberührte Natur, vielleicht etwas Freiheit im Land der Freien und Mutigen.

Da ist der Moment in den Everglades im Airboat, nass von den Kurven, etwas Fahrwind im Gesicht, die Alligatoren vor Augen – ein winziges Stückchen wohlorganisierte Freiheit, gespickt mit Warnhinweisen.

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Und ich merke, ich will alles – Freiheit, Mut, Wildheit der Natur, das friedliche und freundliche Miteinander der Menschen. Und ich weiß, dass ich das auch ohne Warnhinweise will, weil ich mir sehr bewusst bin, dass es hundertprozentige Sicherheit nicht gibt und nicht geben kann. Aber Freiheit und Mut…

 

 

 

Dann kommt mir ein Spruch von Erik Lindgren in den Sinn, den ich in meiner Jugend gefunden habe: “Weil unser einziges Nest unsere Flügel sind.”

 

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Also gebe ich dem Delphin im Dolphin Research Center einen Kuss und breite meine Flügel aus, ganz weit für neue Abenteuer – wer weiß, vielleicht ja auch wieder in Amerika oder bis zum Mond und zurück…

 

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Reisen

So lange ich denken kann, liebe ich es zu reisen. Für mich gab es viele Einstiege.

Der jährliche Sommerurlaub in den Alpen… Raus aus dem Ruhrgebiet mit seinen Zechen und Stahlwerken und der rußgeschwängerten Luft… Hier eine kleine Zeitreise: Dort, wo heute im Centro Oberhausen nach dem Shopping auf der Promenade noch ein Cocktail geschlürft oder ein Latte macchiato genossen wird, wurde früher, wie man bei uns im Kohlenpott sagt, malocht, Stahl gekocht…

Also raus aus der Ruß- Dunstglocke in eine Welt der bunten Almwiesen, der schneebedeckten Gipfel, eine Welt, in der Papa den ganzen Tag Zeit hatte, eine Welt, in der es jeden Tag etwas Neues zu entdecken gab, die Milch gleich aus dem Euter der Kuh kam und man Waldbeeren und Pfifferlinge sammelte und aß… Eine Welt, wo die steilen Aufstiege alles forderten und der Anblick einer Gams oder eines Murmeltieres als Entschädigung vollkommen ausreichte. Dort schmeckten das Butterbrot und der kalte Tee so gut…

Oder unsere Sonntage mit dem motorisierten Schlauchboot auf der Ruhr… Inspiriert von Jacques Cousteau lernte ich mit geöffneten Augen tauchen ohne Schwimmbrille – ja, man schwamm damals noch in Flüssen – und ich entdeckte im trüben Wasser eine Welt aus Steinen, Schlingpflanzen und Matsch – aber für mich waren es Korallenriffs, seltene tropische Wasserpflanzen und gefährlicher Treibsand. Und wenn ich dann wieder auftauchte von meiner Reise, dann schmeckten Mamas Nudelsalat und der kalte Tee so gut…
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Die Natur – Opfer oder Lehrer?

Das Ziel des Seminars “Die vier Elemente” in Heiligenblut am Großglockner war die Verknüpfung der Selbst- und Naturerfahrung. Uns selbst anders sehen als zu Hause in all unseren Funktionen. Nur Mensch unter Menschen, offen für das, was uns begegnet…

Schlagzeilen auf Schildern des Natura-Mystica- Weges, wie “Empfinde jede Pflanze als Wort einer schönen, fremden Sprache” oder ” Die Kraft von Vielen lässt Wunder im Verborgenen wachsen” werden mit Leben gefüllt.

Alte Weisheiten der Hollaleitisch, der Wesen, die früher den Menschen zur Seite gestanden haben und sich zurückzogen, weil wir Menschen, die Achtung vor der Natur verloren haben. Ein wenig wie die Heinzelmännchen zu Köln…

Alte Weisheiten, die etwas in uns zum Klingen bringen – eine Sehnsucht nach Verbindung, nach Ruhe, nach Schönheit, nach Halt, nach Verwurzlung…

Alte Weisheiten, die so oft verdrängt werden, denn für sie glauben wir keine Verwendung zu haben, in unseren auf Leistung, Arbeit, Konsum und Hast konzentrierten Leben…

Immer wieder machten sich die Teilnehmer darauf aufmerksam, dass wir hier und jetzt, bei diesem Seminar und in Heiligenblut doch Zeit hätten, uns Zeit lassen könnten, hier und jetzt in der Ruhe die Kraft läge. Wir lernten – dort liegt sie immer, auch zu Hause, auch im Alltag…

Nach nur ein paar Metern hinter der letzten Straße beginnt der “Sprachkurs” der Pflanzen, demonstriert uns die Großartigkeit der Berge unsere eigentliche “Größe”, zeigt die Kraft der Elemente uns unsere Grenzen auf, nimmt die Natur uns großzügig und selbstverständlich in Liebe auf.

Das macht mich glücklich! Nach allem, was Menschen der Natur angetan haben und noch immer antun, ist die da – in aller Stärke, Schönheit und Vielfalt im Winzigkleinen und Riesiggrossen.

Warum sollte ich also versuchen, mir die Erde untertan zu machen oder die Elemente zu besiegen? Ich bin lieber dankbar dafür, Teil der Schöpfung, Teil der Natur zu sein und die Elemente in mir in aller Intensität zu spüren!

Sophie

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