Archiv der Kategorie: Überleben

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The Making of a Book Teil 1

Ein Buch schreiben, lieber noch ganz viele – der ganz große Traum meines Lebens. Er schien mir unmöglich, bis vor drei Jahren ein Buch in mir Gestalt annahm. Ich besprach es mit Jürgen, hatte die Idee, dass er es schreiben solle. Schließlich war er der Profi.

Ihn begeisterte die Idee sofort, aber allein schreiben wollte er nicht. Ich sollte die eine Hälfte schreiben, er die andere. Mein Traum war in greifbare Nähe gerückt. Wir entwickelten das Konzept, planten die Recherche, teilten die Kapitel auf, fanden den Titel: “Verheiratet mit zwei Männern – meine Ehe mit Jürgen Schwarz und James Parkinson”. Jürgen schrieb noch einen Text – dann verliess ihn erst die Kraft, dann das Leben.

Aber ich machte weiter.

Die Idee begeisterte ihn, aber allein schreiben wollte er nicht. Es sollte ein gemeinsames Projekt werden. Ich sollte die eine Hälfte schreiben, er die andere. Er ermutigte mich, ich traute mich und mein Traum begann wahr zu werden. Wir entwickelten das Konzept, gaben dem Buch seinen Namen und begannen mit der Arbeit.

Und lernte.

Zunächst lernte ich, dass ich Zeit benötigte. Jürgens Geschichte, die Geschichte unserer Ehe unter dem Vorzeichen der Parkinson’schen Erkrankung, die Erkrankung selbst und ihre Auswirkungen, sowie die Auswirkungen der zur Therapie erforderlichen Mittel, das alles kannte ich. Ich dachte auch, ich könne das alles zügig aufschreiben. Dabei hatte ich aber die Emotionalität der Betroffenen deutlich unterschätzt. Ich lernte, dass ich Abstand brauchte, erst die jüngsten Ereignisse verarbeiten musste, bevor ich sie bearbeiten konnte.

Also begann ich zunächst mit der Recherche der Dinge, die mir nicht ganz so geläufig waren. Ich begann mit der Person James Parkinson, des Mannes, der diese Erkrankung ihren Namen verdankt. Und ich entdeckte einen Menschen, den weit mehr als die Namensgebung auszeichnete. Diese Recherche entführte mich in eine vergangene Welt, die aber dennoch überall noch zu spüren ist.

Sophie

to be continued…

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Sophie 2.0

Lang ist es her, dass ich etwas in meinem Blog gepostet habe, noch länger, dass ich ihn gestartet habe. Ich wollte schreiben über das Leben, über mein Leben, meine Arbeit, hatte Träume, Pläne, viele Pläne.

Das Leben holte mich ein, warf meine schönen Pläne einfach um. Statt über das Leben, mein Leben, meine Arbeit berichten zu können, brachte mich das Leben an all meine Grenzen. Die Pflege und der Tod meines Mannes Jürgen liessen kein Schreiben, keine Kreativität zu, manchmal dachte ich auch, kein Leben. Aber auch das alles war Leben.

Ich lernte Akzeptanz, lernte mich selbst neu kennen. Auch erfuhr ich, dass alles Zeit braucht – die Trauer, die Akzeptanz, die Verarbeitung, die Neuentdeckung und die neuen Pläne und Träume. Ich nahm mir diese Zeit und jetzt kann ich sagen

I am back!

Nicht mehr die alte Sophie, sondern die runderneuerte Sophie 2.0. Voller Ideen, Träume, ja auch voller Pläne. Und all das möchte ich gerne teilen, hier in meinem Blog und auch in Videos und Büchern, die ich begonnen habe und von denen die ersten kurz vor der Fertigstellung stehen.

Ich freue mich, Euch mitzunehmen auf meine Lebensreise. Genau deshalb habe ich auch die alten Beiträge in diesem Blog gelassen. Sie zeigen den Startpunkt meiner Reise – ich bin neugierig, wohin sie führt, meine Reise, bin neugierig auf das Leben, mein Leben, meine Arbeit.

Herzlich

Sophie

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Und immer wieder London

Das Flugzeug setzt auf der Landebahn auf, kurz vorher habe ich aus dem Fenster schon erste Blicke auf diese Stadt erhaschen können. Mich befällt eine Unruhe. Mein Sohn und ich schauen uns an – endlich raus aus der Maschine und den Flughafen hinter uns lassen und endlich, endlich eintauchen dürfen in “unsere” Stadt.

Sie ist so grausam voll, ob mit Uber oder mit der U-Bahn – es ist einfach nur ein zähes Vorankommen. Ich frage mich, warum gerade ich, die die Weiten einsamer Strände und des schottischen Hochlandes liebt, sich bereits mir 14 in diese Riesenstadt verliebt hat und sich immer wieder neu verliebt.

In diese unfassbar teure Stadt. Selbst mit einem überdurchschnittlichen Einkommen ist ein Leben dort unbezahlbar. Und doch wollen alle dort hin.

In diese Stadt der fassbaren Geschichte, in der noch königliche Hochzeiten mit Kutschen und allem, was an pomp and glory dazu gehört, gefeiert werden.

In diese Stadt der Gegensätze, in der man die teuersten handgefertigten Schuhe seines Lebens kaufen kann und gleichzeitig einen Schuhputzkurs erhält, damit diese auch ein ganzes Leben, oder zumindest fast ein ganzes Leben halten – und sind sie kaputt, werden sie repariert. Das kann man hier gut. Dinge pflegen, erhalten – eben nicht Wegwerfgesellschaft. Das ist ‘man’ nur bei den Einweg-Kaffeebechern und den überall präsenten Zeitungen, die trotz der sich in allen Händen befindlichen Handys auch noch tatsächlich gelesen werden.

In diese Stadt, der Exzentriker, der roten Doppeldeckerbusse, der Seifenmacher, der Herrenschneider, der Antiquariate, der Musicals, der Scones-Esser und Tee-Trinker.

Und wenn ich wieder fort muss aus London, wenn es mir dort zu voll wird, zu laut, die Sehnsucht nach Ruhe immer stärker wird, ich wieder im Flugzeug sitze, es abhebt und ich einen letzten Blick auf “meine” Stadt werfe, dann verspreche ich ganz nach “Terminator”-Manier:

“I’LL   BE   BACK”

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Black Jack oder Never Give Up

Diese Augen – für sie würde ich fast alles tun und habe das auch.

Dieses Auge gehört meinem Pony Black Jack, das Pony, das mich so vieles lehrt über das Leben, die Liebe, die Wahrung der eignen Persönlichkeit, die Unbeugsamkeit und noch viel viel mehr.

Vor ungefähr 8 Jahren begann er zu husten. Zunächst dachten wir an eine akute Bronchitis, aber bald stellt sich heraus, dass es sich um eine COPD handelt, eine langsam oder schnell fortschreitende chronische Lungenerkrankung. Sie ging einher mit einer nachgewiesenen Allergie gegen Staub, Schimmelpilze und noch so einigem – eigentlich allem, was man in einem normalen Pferdestall so findet. Die Einstreu der Wahl sind dann Holzspäne statt Stroh, etwas was das Pony sehr traurig machte, denn Stroh kann man über Nacht, wenn das Heu schon längst im Bauch ist, knabbern, Späne nicht.

Vor 6 Jahren dann, am 24.März 2012, am Tag meiner Hochzeit mit Jürgen, kam es bei Black Jack zum wiederholten Male zu einem Status asthmaticus – mit einfachen Worten erklärt, ist das ein Asthmaanfall, der über Stunden anhält. Das Pony hatte also über Stunden massive Luftnot. Es stand auf einem staubigen Paddock, gleichzeitig flogen Pollen, gegen die er allergisch war. Leider nahm der Stallbesitzer das nicht zur Kenntnis. Ein Glück, dass meine Tochter, Lena Reichmann, vorbeikam und sofort richtig handelte und notfallmäßig den Tierarzt rief.

Es gab die 1. Hilfe – Kortison, die Diagnose wurde bestätigt: COPD, die Prognose lautete: “Geniessen Sie die anfallsfreien Zeiten,  solange es noch geht – höchstens noch 2 Jahre, dann müssen Sie ihn erlösen.”

Ein Hochzeitsgeschenk der besonderen Art.

Ich ging ganz tief in mich. Was braucht mein Pony – Himmel, er ist doch erst 11…

Sehr schweren Herzens entschloss ich mich, Black Jack zu einer Luftkur an die Nordsee zu bringen. Er konnte dort bei einer naturheilkundlich arbeitenden Tierärztin 24 Stunden täglich die Nordseeluft geniessen. Zwar weinte ich fast die gesamte Rückfahrt und wenn der Wetterbericht Sturm, Gewitter oder sonstige meteorologische Unbill an der Nordsee meldete, wurde ich vor Sorgen fast verrückt, aber ich hielt durch. Und es lohnte sich. Mein Pony kam hustenfrei zurück nach Oberhausen.

Aber zurück im Stall zu Staub und Schimmel hielt die Freude nicht lange an. Dazu kamen die ständigen Kämpfe um die Weidezeiten. Ganz gleich an welchen Stall ich wechselte – dass ein Pony mit einer Lungenerkrankung frische Luft braucht, das ging über das Begriffsvermögen. Für Black Jack kam es auch fast einer Katastrophe gleich, als ein findiger Boxenvermieter in der leeren Box neben der seinen das Heu- und Strohlager einrichtete. Und selbstverständlich wurde er vor der abendlichen Heufütterung in seine Box gestellt – wenn dann noch die Stallgasse gefegt wurde und man vor lauter Staub die Hand vor den Augen nicht mehr sehen konnte, bekam das Pony Erstickungsanfälle – aber auch das berührte die Verantwortlichen nicht. Keine Ausnahmen von der Regel. Ich könne doch froh sein, dass das Pony überhaupt vor die Tür käme und müsse mehr mit ihm inhalieren. Ich empfahl den Wechsel von der Boxenvermietung für Pferde zu Kartoffelanbau – die haben einen deutlich geringen Bewegungsdrang als Pferde – aber das kam nicht wirklich gut an.

Ein Riesengeschäft das Inhalieren – immer mehr Pferde werden lungenauffällig, entwickeln Allergien. Der Anblick von Pferden in Stallgassen mit umgehängtem Inhalator ist zur Normalität geworden. Beim Putzen und satteln darf, muss, soll das Pferd inhalieren, dann muss es tüchtig bewegt werden, selbst wenn es sich die Lunge aus dem Hals hustet und unter dem Reiter fast zusammenbricht, damit Sekrete sich lösen können. Warum dazu allerdings ein Mensch auf dem Rücken des Tieres sitzen muss, der ihm die Atmung noch zusätzlich durch sein Gewicht und seinen Reitstil einschränkt, ist mir nicht erklärlich. Ich konnte es nicht über mich bringen, mein verzweifelt um Luft ringendes, hustendes Pony zu reiten – ich joggte mit ihm im Wald…

Und suchte nach Alternativen. Es konnte nicht sein, dass meine Tochter und ich täglich mehrfach zum Stall mussten, um dafür zu sorgen, dass das Pony so etwas einfaches wie an die Luft kam. Pferde, diese wunderbaren Steppentiere, die die Weite brauchen und den sozialen Kontakt mit ihrer Herde, werden in Boxen gesperrt – und wir regen uns über Käfighaltung bei Hühnern auf? Der geneigte Pferdehalter stelle sich doch bitte einmal vor, er dürfe zwischen 16 und 23 Stunden in einem Dixyklo verbringen – welch erquickender Gedanke.

      Wir gaben nicht auf und suchten –

wochenlang, monatelang. Ich war verzweifelt, denn es ging Black Jack trotz all unserer Anstrengungen immer schlechter. Und dann fanden wir sein neues Zuhause, seine Herde, seine Steppe …

Zwei Jahre ist das nun sein Zuhause. Einen Monat mussten wir noch inhalieren. Bei einem sehr starken Pollenflug reagiert er noch ein einziges Mal mit einem leichten Asthmaanfall. Die letzten Untersuchungen ergaben nur noch einen sehr leichten Lungenbefund, der keinerlei Grund zu Besorgnis oder gar Lebensverkürzung ergab. Black Jack darf, wenn er will, 24 Stunden täglich auf seiner Steppe sein, er kann aber auch jederzeit in seinen Stall, er ist der Chef seines Lebens. Er ist immer mit seiner Herde zusammen und vollkommen ausgeglichen.

Und obwohl er doch seine Herde hat und sich dort so wohl fühlt, reicht ein leises Rufen seines Namens und er kommt zu mir, legt sein weiches Maul in meine Hand und geht mit mir wohin immer ich will – dieses Gefühl ist unbeschreiblich.

Mein aufrichtiger und tief empfundener Dank gilt zuerst  Jürgen, der das alles mit mir durchstand und das Happy-End trotz seines viel zu frühen Todes erleben durfte. Er gilt meiner Tochter Lena Reichmann, die wie eine Löwin für Black Jack kämpfte, wenn ich verhindert war. Er gilt meinem Sohn Jan Reichmann, der  immer helfend einsprang und unterstützt, wo er nur konnte.

Mein besonderer Dank gilt Andrea und Degi Terstegen – ihnen gehört Jacks Paradies und sie kümmern sich unermüdlich um die Tiere und dort sind nicht nur Ponies glücklich…

Mir ist unerklärlich, warum Menschen die Erlaubnis zur Pferdeboxenvermietung erteilt wird, die nicht über genügend Weidefläche verfügen, um den Tieren ganzjährig vernünftige Weiden zur Verfügung zu stellen. Es ist für mich absolut unverständlich, dass weder Gesetzgeber noch Tierschützer bei der gängigen Winterregel tätig werden, Pferde, ohne Heu und Wasser auf matschige Paddocks zu stellen, oft noch in winzige Parzellen aufgeteilt, so dass die Tiere sich noch nicht einmal bewegen können, wenn sie dazu Lust verspüren oder ihnen gar kalt ist. Ach ja, dafür tragen die rasierten Kreaturen ja stylische Decken…

“HÖRT ENDLICH MIT DER KÄFIGHALTUNG VON PFERDEN AUF und gebt uns wunderbaren Geschöpfen, die alles für Euch tun, über die höchsten Hindernisse springen, die wundervollsten Kapriolen machen und Euch auf ihren Rücken durch die Welt tragen so etwas einfaches wie Luft, Gras, Wasser und Artgenossen.” (Dieses Plädoyer habe ich jetzt Black Jack ins Maul gelegt.)

www.degisfarm.de

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Trauerarbeit

Irgendwann im Jahr 2016 fand ich das Atelier Kunstwerk der Oberhausener Künstlerin Claudia Buch, die selbst Menschen, die noch niemals gemalt haben, nicht nur die Möglichkeit gibt, sich in ihrem Atelier auszuprobieren, sondern auch noch menschlich und fachlich zu motivieren weiß und die jedem “Ich kann das nicht”, ein sehr überzeugtes “Du schaffst das schon” gegenüberstellt. Bis jetzt hatte sie immer Recht – Danke hierfür, liebe Claudia.

Jürgen schrieb nicht mehr, meinen wunderbaren Schreiber bekam ich nicht mehr an die Tastatur. Zwischendurch arbeiteten wir zusammen an unseren gemeinsamen Texten, dann diktierte er aber lieber oder zog den Bleistift dem PC vor. Aber nur noch so selten. Ich wollte mit ihm malen, wollte ihm helfen, dass sich ihm eine neue Form der Kreativität eröffnen könnte. Kreativität, dem Inneren Ausdruck verleihen, dem Schönen, aber auch den inneren Zerrissenheiten. Außerdem war Jürgen, fand ich, mit seinen langen grauen Haaren und seiner so absolut liebenswerten Exzentrik der Prototyp eines Malers.

Aber er wollte nicht. Ich sollte für uns beide malen. Ich sollte ja auch für uns beide beten, für uns beide laufen … für uns beide leben …

Es war fast genau vor einem Jahr, als ich beschloss, eine Sonnenblume zu malen. Ja, ich mag van Gogh sehr, aber an den dachte ich wirklich nicht, als mir diese Idee kam. Eine Sonnenblume ist für mich das Symbol unbändiger Kraft. Sie dreht ihren Kopf immer der Sonne zu, verharrt nicht im Schatten, verliert sich nicht im Grübeln über das Dunkle, sondern sucht das Positive, das Licht, die Sonne. Wer mich kennt, weiß, dass kaum etwas mich und mein Denken mehr symbolisiert als diese wunderschöne Blume. Meine liebe Freundin Klaudia Hoffmann-Koller fand diese bahnbrechende Erkenntnis kürzlich sogar auf einem Einkaufsbeutel!

Jürgen war von der Idee völlig begeistert, ich ob der Größe der Aufgabe und der noch größeren Größe des einzig wahren Sonnenblumenmalers, etwas kleinlaut.

Von Beginn an spürte ich, dieses Bild ist etwas anderes. Hier übe ich nicht, hier male ich. Ob das Ergebnis später dem Auge des Betrachters gefällig sein würde oder nicht, war nicht wichtig. Es sollte meine Sonnenblume werden.

Jeden Donnerstagabend, wenn ich meine Arbeit an der Sonnenblume beendet hatte, machte ich ein Foto, um Jürgen die Fortschritte zu zeigen. Wie immer hatte ich in ihm den ehrlichen, sachlichen Kritiker, den stillen Bewunderer und den kreativen Ratgeber.

Dann ging  Jürgen über die Regenbogenbrücke. Dieses Bild brachte mich dazu, mir ein Tuch in den Regenbogenfarben zu stricken.

Aber zurück zu meiner Sonnenblume. Einige Wochen konnte ich nicht zu ihr. Ich schaffte nicht den Weg zum Atelier, auch wenn ich wusste, dass mich dort liebe Menschen empfangen würden und ich ja auch immer sage, wie wichtig es ist, dem Inneren Ausdruck zu verleihen. Aber in meinem Inneren war nichts, alles leer und taub.

Ich fand den Weg dann aber im März diesen Jahres wieder! Und für viele Wochen waren diese zwei Stunde am Donnerstagabend die einzige Zeit in der gesamten Woche, in der ich nicht dachte. Ich verlor mich vollkommen im Mischen der Farben, in dem Versuch, die Sonnenblume zu meiner zu machen. Wollte diese Spannung zwischen Licht und Schatten, Werden und Vergehen, Strahlen und Erlöschen, Leben und Tot erfassen, mit meinen so geringen Fähigkeiten. Hatte ich zu Beginn mein Umfeld überhaupt nicht mehr wahrgenommen, wenn ich begonnen hatte, in der Farbe zu rühren, nahm ich es von Woche zu Woche mehr wahr. Immer noch machte ich an jedem Donnerstagabend ein Foto. Schon vor einem halben Jahr wurde mir von lieben Freunden gesagt, dass meine Sonnenblume schön sei und was ich als nächstes malen wollte, aber sie war doch noch nicht fertig. Immer wieder nahm ich mir jedes Blatt vor. Mir wurde bewusst, dass nicht nur in der Zusammenfassung der Blütenblätter, sondern in jedem einzelnen Blatt Licht und Schatten, Werden und Vergehen, Strahlen und Erlöschen, Leben und Tot waren. Wie im richtigen Leben, in jedem Anfang liegt auch das Ende, Doch es ist an uns, unsere Blüte der Sonne zuzuwenden und die Schatten hinter uns fallen zu lassen.

Jetzt ist sie fertig meine Sonnenblume. Ich habe ihr den Titel “Trauerarbeit” gegeben, denn so ist sie entstanden und das wird sie bei jedem weiteren Betrachten bleiben. Trauer tut weh, aber sie ist nichts Schlimmes – wie armselig wäre unsere gemeinsames Leben gewesen, gäbe es nun keine Trauer. Ich habe sie angenommen, sie ist Teil meines Lebens und manchmal trägt sie die Farben des Regenbogens, manchmal ist sie ein Lied, manchmal eine Sonnenblume.

www.alles-kunstwerk.de

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