Der Tanz um Blech und Carbon

Den Einblick in Jürgens bunte Welt will ich beginnen mit einer Reise, die mein Sohn Jan und ich gemeinsam mit Jürgen geplant hatten. Schnell war uns klar, dass wir sie nun für ihn antreten wollten und würden.

Da stehen sie auf Hochglanz poliert im Scheinwerferlicht – die Objekte so vieler Begierden, PS-Stärken, die ich mir kaum noch vorstellen kann, noch, dass irgendein Nicht-Rennfahrer sie zu beherrschen vermag.

Zum Teil Ästhetik pur,

(Pagani)
(Aston Martin)

die einen die Frage nach CO2-Emissionen und Preis zumindest kurz vergessen lässt…

Zum Teil gelebte Nostalgie,

(Fiat 500)
(Morgan)

das eine bezahlbar und von der Autorin selbst vier Jahre lang voller Freude erprobt, das andere… schön eben.

Schnell bin ich eingefangen von dieser Welt, die so völlig losgelöst von der Realität zu sein scheint. Was ich bislang für einen nicht wirklich guten Witz hielt – hier passiert es: erwachsene Menschen bewaffnen sich mit Staubwedel und Glasreiniger, um jeden Fussel, jeden Fingerabdruck sofort vom PS-Götzen zu entfernen. Zunächst lache ich noch bis ich merke – das ist ganz bitterer Ernst… Hier bin ich im Tempel des Gottes Auto gelandet.

Ja, und spätestens jetzt würden wir beide heiß diskutieren, Jürgen, ob hier nicht Grenzen überschritten werden, die – Schönheit hin, Spass am Fahren her – angesichts von Hungersnöten, Altersarmut und Klimawandel nicht überschritten werden sollten.

Papas setzen ihre kleinen Söhne mit verklärten Blicken in unfassbar teure Autos, die weder Vater noch Sohn sich je werden leisten können, streicheln voller Sehnsucht hier ein Dach, dort einen Kotflügel… Bis dann der Glasreiniger wieder zum Einsatz kommt und die Abdrücke der Hingabe entfernt…

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