Freiheit und Verantwortung

Freedom and responsibility in balance – pictured as balanced balls on scale that symbolize harmony and equity between Freedom and responsibility that is good and beneficial., 3d illustration

Wir erleben gerade die Einschränkung unserer persönlichen Freiheit. Massnahmen, die die Ausbreitung der Erkrankung, ausgelöst durch COVID19-Virus, eindämmen sollen, setzen uns immer engere Grenzen. Wie konnte es dazu kommen?

Freiheit, ein so schönes Wort, das Bilder in uns aufkommen lässt von den unendlichen Weiten des Ozeans, von Adlern, die durch die Lüfte fliegen, von uns selbst, die wir losgelöst von allen Verpflichtungen einfach nur leben.

Freiheit ist für mich das höchste Gut. Selbstbestimmt mein Leben führen können, wie und wo ich will. Aber Freiheit zu leben, bedeutet auch ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein. Will ich wirklich frei sein, so kann ich die Verantwortung für mich selbst, nicht anderen überlassen. Mir muss auch bewusst sein, dass meine Freiheit dort endet, wo ich die Freiheit eines anderen einschränke. Ich muss mir der Folgen meines eigenen Tuns für mich selbst, aber auch für die Weltgemeinschaft bewusst sein und aus dieser Bewusstheit heraus verantwortlich handeln, um auch meinen Mitmenschen und dem Planeten die gleiche Freiheit zuzugestehen wie mir selbst.

Zur Zeit werden wir in Endlosschleife mit eigentlichen Selbstverständlichkeiten überflutet. Wir sollen uns die Hände waschen, respektvollen Abstand zu unseren Mitmenschen halten, bei Erkrankungssymptomen das Haus hüten. Es erschüttert, dass all das offensichtlich nicht für alle Menschen bereits gelebter Alltag ist. Aber denke ich an Zeiten vor COVID19, da fallen mir all die Warteschlangen ein, in denen mir wildfremde Menschen in dem Glauben, sie würden so schneller ans Ziel kommen, so nahe kamen, wie ich es mir eigentlich nur von geliebten Menschen wünsche. Ich denke an die vielen Gespräche mit Patienten, Bekannten und auch Unbekannten, die mir von der Unmöglichkeit erzählten, sich im Falle einer Erkrankung aus dem sozialen und beruflichen Leben für ein paar Tage zurückzuziehen. Dass ihr Verhalten, getrieben von der Angst vor sozialer Isolation und Ärger auf dem Arbeitsplatz, andere Menschen in Krankheit führen könne, war ihnen weder bewusst, noch wollten sie es akzeptieren. Das ist nicht Freiheit, das ist Rücksichtslosigkeit.

Automatisch stellt sich mir dann die Frage, warum Menschen, die sich für mündig halten, die wahlberechtigt sind, also über die Führung unser freiheitlichen Demokratie mitentscheiden dürfen, sich dieser schlichten Regeln des sozialen Miteinanders nicht bewusst sind? Warum braucht eine so große Anzahl der Menschen jemanden, der ihnen all das nicht nur sagt, sondern unter Strafandrohung vorschreibt? Aber auch, warum verlangen Menschen, die zur Zeit Angst vor einer Ansteckung mit COVID19 haben, von allen anderen, dass sie ihre Freiheit einschränken? Fürchte ich mich vor etwas, dann muss ich selbst es meiden.

Mein eigenes Bedürfnis nach Freiheit führt automatisch dazu, dass ich die Freiheit aller anderen auch akzeptiere und achte. Aus dieser Achtung heraus ist es selbstverständlich, dass mein eigenes Verhalten meinen Mitmenschen nicht schadet. Da ist es vollkommen gleichgültig, ob es sich um die Verbreitung einer Infektionskrankheit handelt, die Vermüllung der Umwelt, die freie Meinungsäußerung oder die Lebensführung. Wenn wir nicht nur unsere eigene Freiheit, sondern auch die der anderen achten, brauchen wir niemanden, der uns Vorschriften darüber macht, dass wir uns die Hände waschen sollen und den respektvollen Abstand einhalten müssen oder uns nicht frei bewegen dürfen. Dann wissen wir das nicht nur, dann handeln wir auch so. Und genau dann brauchen wir weder Quarantäne noch Ausgangssperren – dann sind wir wirklich frei, immer.

COVID19 – eine Lehrstunde für Respekt, Verantwortung und Freiheit.

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